Mobil bleiben

von Jutta Ouwens

Jan war eine halbe Stunde zu früh an seinem ersten Tag in der ‚Seniorenresidenz St. Elisabeth’, bereits um sieben Uhr meldete er sich bei der Frau hinter dem Empfangstresen. Die fragte ihn, ob er keine Uhr habe.
Jan wuchsen zehn Arme und zehn Beine, er hatte nicht genug Atem für eine pfiffige Antwort. Die Frau zeigte, ohne ihn anzusehen, auf die braune Sitzgruppe im Erker und stellte in Aussicht, dass ihn jemand abholen käme.
„Um halb acht, wie üblich für Neulinge“, fügte sie hinzu, blätterte dabei in einer schwarzen Kladde und schob sich die Brille, die an einer goldenen Kette auf ihrer mageren Brust baumelte, auf die Nase.
Draußen war es noch dunkel. Jan hätte gerne etwas getrunken, sein Mund war trocken, die Zunge klebte am Gaumen, doch er traute sich nicht, die Frau nach einem Automaten oder der Kantine zu fragen. Die kleine Eingangshalle war in gelbes Licht getaucht. Holzpaneeldecke mit eingelassenen Spots. Er setzte sich auf die Dreiercouch, wischte die schwitzigen Hände an der Hose ab und schob lustlos die Zeitschriften auf dem niedrigen Tisch hin und her. Infoblätter von Krankenkassen, der örtliche Veranstaltungskalender, Die Bistumszeitung mit einem Gruß des Bischofs, einige Tageszeitungen der letzten Woche. Seine Stimmung ging gegen Null, Jan sah sich in der Halle um. Rechts neben dem Tresen führte eine Doppelglastür wahrscheinlich in die Tiefen der Residenz, einen Treppenaufgang konnte er nicht entdecken, nur zwei Aufzüge gegenüber der Sitzgruppe. An der Wand daneben hing ein Wegweiser. Drei Etagen hatte das Haus, in der ersten war die Station ‚St. Anna’, in der zweiten ‚St. Hildegard’, in der dritten ‚St. Barbara’. Ein Pfeil zeigte in Richtung Glastür, ‚Verwaltung’, ‚Heimleitung’ und ‚Fluchtwege’ stand dahinter. Jan wischte noch mal die Hände ab und spürte ein Kribbeln in den Füßen. Ganz unten auf der Tafel las er ‚Besuchercafé im Souterrain von 14 bis 17 Uhr geöffnet’.
Sein Blick war gerade zu dem Rollwagen mit den Hydrokulturen gewandert, als sich eine Aufzugtür öffnete und ein alter Mann in Morgenmantel und Pantoffeln in die Halle trat. Er kam direkt auf Jan zu, würdigte ihn keines Blickes, sondern sah missmutig auf den Tisch. Jan war aufgesprungen.
„Guten Morgen“, sagte er und wusste wieder nicht, wohin mit seinen Händen. Der alte Mann beachtete ihn nicht, er schlurfte zum Tresen.
„Noch keine Zeitungen da, Karla?“
„Nein, sonst lägen sie ja wohl auf dem Tisch, Herr Berger.“ Karla sah nicht auf, sie schrieb etwas in die Kladde. Herr Berger überlegte einen Moment.
„Ich fahr wieder rauf. Ist mir zu kalt hier unten. Rufen Sie auf Barbara an, wenn die Zeitungen kommen.“ Karla nickte, der alte Mann ging zum Aufzug und Jan sah das blaue Venengeflecht über seinem Fußknöchel unter der gestreiften Schlafanzughose verschwinden.
Er setzte sich wieder hin und fragte sich zum ersten Mal, ob es wirklich richtig war, den Zivildienst in einem Altenheim zu machen. Das Wort ‚Seniorenresidenz’ hatte er bereits vergessen.

Um zwei Minuten nach halb acht glitten die Glastüren auseinander, Jan hatte die Uhr über der Hydrokultur entdeckt. Eine große dünne Frau im weißen Hosenanzug kam zielstrebig auf ihn zu, sie hielt sich kerzengerade und Jan sprang abermals von der Couch hoch. Er streckte ihr die Hand entgegen und befeuchtete seine Lippen mit Spucke. Ihr Händedruck war trocken und fest, ihre Augen grau, genau wie die kurzen Haare, und Jan meinte, ein spöttisches Aufblitzen gesehen zu haben.
„So, so, du bist also der neue Zivi“, sagte sie und lächelte. Jan war davon überzeugt, dass sie genau wusste, wie lange er hier schon wartete. Er nickte.
„Jan Feldkamp“, brachte er heraus und „schön hier..“, mit einer ausladenden Handbewegung. Er wagte einen raschen Blick auf das Schild am Revers ihres Kasacks.
‚Frau Lore Kurz, Heimleitung’ stand darauf und Jan spürte plötzlich ein Kitzeln im Hals.
„Du kannst ruhig lachen“, sagte Frau Kurz, „ich kenne das.“ Ihr Gesicht verriet keine Regung. Jan sah auf den Boden. Meine Güte, warum kam er sich hier wie ein Kleinkind vor? Schließlich war er fast zwanzig, hatte sein Abi gemacht und nach dem Zivildienst stand ihm die Welt offen; warum schrumpfte jetzt alles auf Nussgröße zusammen?
„Na, dann wollen wir mal“, sagte Frau Kurz, „zuerst zeige ich dir die Fluchtwege und die Feuerlöscher.“ Sie drehte sich um und ging mit langen Schritten auf die Glastüren zu, die sich geräuschlos teilten. Jan stieß gegen den Tisch und unterdrückte einen Schmerzenslaut, er beeilte sich, mit ihr Schritt zu halten, bevor sich die Türen wieder schlossen. Frau Kurz blieb unvermittelt stehen und Jan wäre fast in sie hineingerannt. In dem langen Gang roch es nach Blumenkohl.
„Das ist der Treppenaufgang zu den Stationen“, sagte Frau Kurz und wies auf eine weitere Glastür in der rechten Wand, hinter der ein Treppenhaus lag.
„Hier ist schon der erste Feuerlöscher, direkt an der Tür. So ist es in den einzelnen Etagen auch. Merk dir das.“ Jan nickte gehorsam. Frau Kurz sah ihn an.
„Kannst du mit einem Feuerlöscher umgehen?“ Jan atmete auf.
„Ja, kann ich. Wir haben regelmäßig Brandschutzübungen in der Schule gemacht.“
„Gut.“ Frau Kurz wandte sich nach links und zeigte auf drei maisgelbe Türen.
„Hier ist mein Büro, daneben die Personalabteilung und das Konferenzzimmer.“ Jan las die Schilder neben den Türen. Er trat von einem Bein aufs andere.
„Besuchertoiletten sind auf jeder Station und hier hinten links.“ Sie wies mit der Hand dorthin. „Du kommst ja auf die Anna, da kannst du natürlich aufs Personalklo gehen.“
Jan nickte, er hatte tausend Fragen im Kopf, doch keine ließ sich in einen ordentlichen Satz pressen. Am Ende des Ganges stand auf einer weiteren Glastüre ‚Küche’ und ‚Wirtschaftsräume’. Deshalb der Blumenkohlgeruch, aber morgens um halb acht?
„Die Küche wirst du schon noch kennen lernen“, sagte Frau Kurz, „willst du jetzt mal eben aufs Klo?“ Jan verschwand hinter der pastellblauen Tür mit einem silbernen ‚H’. Er stürzte zum Waschbecken und trank gierig direkt aus dem Kran, sein Herz klopfte wie wild.
‚St. Anna’ war auf der ersten Etage, überlegte er und schaute sein Gesicht im Spiegel unter der Neonröhre an. Blaue Schatten unter den Augen, bleiche Haut und fahle Lippen, wie ein Zombie, dachte Jan. War das Angst, was da in seiner Magengegend flatterte und seine Hände zittern ließ? Jan atmete tief ein und aus und beobachtete sich dabei. Seine zitternden Hände legte er auf den Rand des Beckens. Es wurde nicht besser. Jan ging auf die Toilette und trat danach wieder auf den Flur. Frau Kurz unterhielt sich mit einer molligen Blondine, die höchstens Mitte zwanzig war und einen Aktenordner unter den Arm geklemmt hatte. Sie wandte sich um und lächelte Jan an.
„Hallo, ich bin Meike Schulmann von der Personalabteilung. Du kommst gleich noch zu mir rein, ja? Wegen der Essensmarken und der Hausordnung.“ Sie streckte ihm die Hand hin und tat so, als bemerke sie seine Aufregung nicht. Jan nickte, ergriff die Hand und stellte sich vor. Er atmete auf, Meike war der Beweis, dass man hier überleben konnte. Frau Kurz winkte ihn an ihre Seite und zeigte ihm den Ausgang in den Gartenbereich. Die Tür war von der Wand kaum zu unterscheiden und Frau Kurz schloss sie auf.
„Hier können auch verwirrte Bewohner spazieren gehen“, erklärte sie, „siehst du die Rhododendronbüsche ringsum? Dahinter verläuft ein Zaun.“ Jan betrachtete die kleinen Rasenflächen, die wie Inseln zwischen schmalen Wegen lagen, er zählte im Dämmerlicht sieben Bänke und dachte unwillkürlich an einen Gefängnishof. Er wollte gerade wieder hineingehen, als sich von der Straße ein schwarzes Auto näherte und langsam am Zaun entlang fuhr. Es war ein Leichenwagen.

Die alte Frau beobachtete ihn unentwegt. Jan saß neben ihrem Bett, seit Ewigkeiten, in der Hand die Essensmarken und die Kopie der Hausordnung.
Meike hatte ihn hier heraufgebracht, ihm im Treppenhaus das ‚Du’ angeboten und an der verschlossenen Tür von ‚St. Anna’ geklingelt. Jans Magen meldete sich erneut.
„Hier sind die Dementen“, erklärte Meike beiläufig, sah auf ihre Uhr und klingelte noch einmal. Hinter der Tür näherten sich eilige Schritte.
„Komme ja schon, kann aber nicht fliegen“. Die Stimme klang ungehalten. Schlüssel klapperten und die Tür wurde aufgerissen. Jan sah sich einer gedrungenen Frau gegenüber, die über ihrem Hosenanzug eine Plastikschürze trug und sich mit dem behandschuhten Handrücken über die Stirn fuhr. Meike schob Jan ein Stück nach vorn.
„Hallo, Schwester Claudia, das ist Jan Feldkamp, der neue Zivi.“ Zu Jan gewandt, fügte sie hinzu: „Schwester Claudia nimmt dich jetzt unter ihre Fittiche und erklärt dir die Dienste, wo alles ist und so weiter; du weißt schon.“ Sie klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und ging zur Treppe. „Guten Start also, man sieht sich.“
Jan hatte den dringenden Wunsch, sie fest zu halten, doch Meike war schon weg. Schwester Claudia schloss die Tür wieder zu und sah ihn kurz an.
„Hör mal, wir sind mitten in der Grundpflege, ich habe beim besten Willen jetzt keine Zeit. Setz dich einfach hier rein zu Frau Geppert und pass auf, dass sie nicht allein aus dem Bett steigt; ich hol dich dann nachher.“ Jan war neben ihr den Gang entlang gehastet und fand sich plötzlich in einem engen Zimmer wieder, an dessen linker Wand ein Bett auf hohen Rädern stand. Er sah zuerst die schwarzen Augen, wie blanke Knöpfe lugten sie aus dem faltigen Gesicht der winzigen Frau, die aufrecht in dem weißen Kissen lehnte. Er stand am Fußende des Bettes und sagte wieder einmal seinen Namen. Die Frau regierte nicht, sie starrte ihn einfach an. Jan sah die faltigen Hände auf der Bettdecke liegen und überlegte, ob er ihr seine Hand hinhalten sollte, doch er tat es nicht. Als sein Blick auf ihre Augen traf, erschrak er sich. Meine Güte, sie durchbohrt mich gleich, dachte er und sah über ihren Kopf hinweg aus dem Fenster. Es wurde langsam Tag. Jan war plötzlich müde und setzte sich auf den Stuhl, der an einem kleinen Tisch an der rechten Wand stand. Die dunklen Augen folgten ihm. Frau Geppert rührte sich nicht, Jan sprach kein Wort und betete, dass sie nicht versuchen würde, aufzustehen. Er wollte diese alte Frau nicht anfassen. Jan sah angestrengt aus dem Fenster und fragte sich, warum man das Bett nicht einfach herumdrehte, dann könnte Frau Geppert ebenfalls hinaussehen und ihn nicht so durchdringend anstarren. Für einen Moment schloss er die Augen. Vom Flur drangen Geräusche ins Zimmer: hastende Schritte, das Klappern von Geschirr, immer wiederkehrendes Rufen nach einer Schwester, lautes Stimmengewirr, ärgerlich, zurechtweisend, von irgendwo ertönte Schlagermusik, Jan hörte ein Telefon klingeln, wieder und wieder, niemand ging dran, Schwester Claudia rief, ob mal eben jemand ans Telefon gehe könne, endlich verstummte der schrille Ton, eine Frauenstimme jammerte „Mama, Mama“, eine Tür klappte und die Stimme war nicht mehr zu hören. Jan fühlte beklemmende Enge in der Brust, er wollte tief einatmen, merkte, dass er keinen Sauerstoff fand zwischen diesen Gerüchen nach alten Körpern, Desinfektionsmitteln, Seife und Zahnpasta, Käse, Wurst und Kaffee. Er sehnte sich nach frischer Luft, er wollte raus hier, er konnte die Tränen nicht zurückhalten, blinzelte und sah aus den Augenwinkeln hinüber zu Frau Geppert. Sie sah ihn unverwandt an, ihr zahnloser Mund war jetzt geöffnet, ein kleines schwarzes Loch. Jan wandte den Kopf zur Wand, zerknüllte die Hausordnung in seiner Hand, schluckte und schluckte und konnte es nicht mehr aushalten.
„So, da bin ich.“ Schwester Claudia stand neben ihm. „He, du hast ja eine beruhigende Wirkung auf Frau Geppert“, sagte sie, und nach einer Pause: „nicht schlecht für den Anfang.“

Jan ging neben Schwester Claudia den Flur entlang und versuchte, möglichst flach zu atmen. Die Gerüche schienen immer unerträglicher zu werden und er musste die aufkommende Panik zurückdrängen. Wie sollte er es hier neun Monate lang aushalten? Natürlich wollte er etwas Sinnvolles tun, helfen, im eigenen Land, vor der eigenen Haustür, friedlich und gemeinnützig.‚St.Anna’ hörte sich so behütend an . Jan ärgerte sich über seine Naivität. Welchen moralischen Anspruch hatte er da hochgehalten? Er kannte die Berichte von den katastrophalen Zuständen in Altenheimen, doch das es hier so stank, hatte im Fernsehen nie jemand erwähnt.
„Wir trinken jetzt einen Kaffee und ich erkläre dir mal das Wichtigste.“ Claudia stieß eine kleine Tür am Ende des Flures auf. Sie kamen in einen fensterlosen Raum, vollgestopft mit Bettgittern, Krücken, Bettpfannen und Kartons. Ein wackliger Campingtisch und zwei Klappstühle waren das einzige Mobiliar. Jan sah die Thermoskanne und die beiden Kaffeebecher auf dem Tisch. Eine Leuchtstoffröhre tauchte die Kammer in blaues Licht. Claudia sah bleich aus. Sie zeigte auf einen Stuhl, setzte sich und goss Kaffee ein. Jan nahm vorsichtig Platz, der Stuhl kippelte.
„Dies ist nicht unser Dienstzimmer“, erklärte Claudia, „aber hier stört uns jetzt keiner. Die Kollegen sind auf der Station und sorgen dafür, dass wir eine halbe Stunde Ruhe haben.“ Sie sah Jan aufmerksam an. Der nahm den Becher und trank den ersten Schluck mit geschlossenen Augen. Jan wollte Zeit gewinnen. Er musst sich beruhigen, in seinem Gefühlswirrwarr einen Faden finden, an dem er ziehen konnte, der zu einem Seil wurde, an dem er sich entlang hangeln konnte. Er wollte sich wieder geerdet fühlen, keine Angst haben, Doch er hatte eine Scheißangst.
„Hör mal, wir duzen uns hier. Das macht alles einfacher, okay?“ Claudia beobachtete ihn genau. Ach ja, dachte Jan, wieso macht es alles einfacher? Er nickte. Was käme jetzt? Er fürchtete sich vor ihren Fragen, sicher würde sie ihn löchern.
„Ich erzähle dir jetzt was von der Station und den Abläufen. Frage einfach dazwischen, wenn dir etwas unklar ist, ja?“ Wieder nickte Jan, eine komische Gleichgültigkeit überfiel ihn, sollte sie doch erzählen. Claudia legte beide Hände um den Kaffeebecher und beugte sich leicht nach vorn.
„Also, wir haben fünfzehn Bewohner auf der Station. Die sind fast alle dement; sagt dir der Ausdruck was?“ Jan nickte. Dachte sie vielleicht, er wäre blöd?
„Na gut. Das ist auch der Grund, weshalb die Anna die einzige Station ist, die abgeschlossen werden kann.“ Claudia trank einen Schluck Kaffee. „Eigentlich sind wir immer geschlossen, denn irgendwer will ständig weglaufen, nach Hause, verstehst du, obwohl keiner mehr seine Adresse finden würde.“ Woher willst du das wissen, dachte Jan aufmüpfig, habt ihr das schon mal ausprobiert? Jan stellte sich vor, dass er die Stationstür öffnen würde und alle Alten im Nachthemd an ihm vorbei in die Freiheit rennen könnten. Er fand keine Freude an dem Gedanken.
„Die Patientenzimmer sind auf der linken Flurseite, zum Garten hin. Sieben Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Das hat du ja gesehen. Frau Geppert ist sehr unruhig und unberechenbar aggressiv, deshalb liegt sie dort.“ Pause, doch Jan blieb stumm.
„Im Moment haben wir drei Männerzimmer und vier Frauenzimmer. Wer hier lebt, stirbt in der Regel auch hier, oder, wenn es nicht anders geht, im Krankenhaus gegenüber.“ Erneute Pause, Jan kniff die Lippen zusammen. Claudia seufzte leise.
„Wir arbeiten im Pflegegruppensystem. Die Kollegen wirst du alle noch kennen lernen. Ulli, Marion und Silke haben die ersten drei Zimmer plus Frau Geppert, Peter, Gisela und ich die vier anderen. Natürlich springen wir füreinander ein, denn es ist praktisch immer einer in Urlaub, im Frei, im Nachtdienst oder auch krank. Momentan macht Peter Nachtdienst und Marion hat noch eine Woche Urlaub. Ulli, Gisela und ich sind jetzt da, weil morgens natürlich die meiste Arbeit anfällt. Gisela hat Zwischendienst, sie bleibt bis halb fünf, danach ist Silke dann allein.“ In Jans Kopf begann sich ein Karussell zu drehen. Er verstand nicht recht. Ab halb fünf allein? Mit fünfzehn verrückten Leuten? Die Gedanken überschlugen sich, Fernsehberichte fielen ihm wieder ein, scheußliche Bilder von Liegegeschwüren und verdurstenden Alten, Anklagen gegen die Gleichgültigkeit der Gesellschaft, und nun erzählte ihm Claudia zwischen Bettpfannen und Windelkartons, dass auf der Anna nachmittags eine Schwester ganz allein ist. Sie erzählte das, als habe sie nie von den Horrorzuständen gehört, als sei das alles ganz normal. Jan wollte sich empören, mit der flachen Hand auf den Tisch schlagen, er öffnete den Mund und sagte:
„Aha, viel Arbeit sicherlich.“ Claudia lachte .
„Ich dachte schon, du könntest nicht mehr sprechen! Ja klar, das ist eine Menge Arbeit und wir müssen sie auch gut organisieren, anders geht es nicht. Nachmittags kommen fast jeden Tag zwei ‚grüne Damen’. Das sind Frauen, die helfen freiwillig beim Füttern, sie lesen den Bewohnern auch Geschichten vor und den wenigen, die sich noch selbst waschen und umziehen können, gehen sie auch zur Hand. Aber du hast schon recht: es bleibt trotz allem ein Knochenjob.“ Sie schwieg und rührte nachdenklich in ihrem Kaffee. Jan betrachtete sie genauer. Claudia wirkte robust und belastbar, sie flößte Vertrauen ein. Jan war überzeugt davon, dass sie rasch Entscheidungen treffen konnte. Ein entschlossen wirkendes Gesicht mit vielen Augenfältchen, ungeschminkt. Wie alt sie wohl war? Jan schätzte sie zwischen dreißig und vierzig, schwer zu sagen. Allmählich entspannte er sich und die erste Frage kam wie von selbst.
„Ich habe vorhin einen Leichenwagen gesehen.., sterben hier viele Leute?“ Sein Herz pochte laut, doch die Angst wich dem Bedürfnis, mehr zu erfahren. Claudia schaute hoch, sie war nicht überrascht und dachte einen Moment nach. Jan betrachtete ihre breiten Hände mit den kurzgeschnittenen Nägeln. Als sie antwortete, schob sie die Tasse weg und verschränkte die Hände auf dem Tisch.
„So, da hast du also gleich am ersten Tag den schwarzen Wagen gesehen.“ Jan nickte und versuchte ein Lächeln; es gelang halbwegs. Sie lächelte zurück.
„Ich will dir nichts vormachen, weißt du? Wir sind die Station mit den Pflegefällen, ich sagte ja schon: wer hier ist, der bleibt auch hier bis zum Tod. Statistisch gesehen sterben also die meisten Bewohner von allen drei Stationen hier. Auf Barbara und Hildegard sind die mobileren Leute, dort haben sie zum Teil Apartments mit eigenen Möbeln und sind eher wie Mieter anzusehen, die Hilfe in Anspruch nehmen können. Auf Barbara gibt es sogar drei Apartments für Ehepaare. Die Leute werden alle medizinisch versorgt, zum Teil von ihren alten Hausärzten, und sie essen gemeinsam in den Speisezimmern. Ansonsten machen sie, was sie wollen, viele nehmen an den Sportangeboten teil, an den Spielgruppen und organisierten Ausflügen, aber wie gesagt, sie müssen das nicht tun.“ Jan kam das Wort ‚Residenz’ wieder in den Sinn. Claudia schien seine Gedanken zu ahnen.
„Du siehst, da oben wird schon residiert, hier eher weniger!“ Sie kicherte, Jan fand sie immer sympathischer.
„Deshalb brauchen wir auch mehr Personal. Die Zivis kommen immer zu uns, das ist jetzt auch dein Schicksal.“ Nach einer Pause sah sie ihn ernster an.
„Aber du brauchst keine Angst haben, wir zeigen dir alles und momentan sieht es auch nicht so aus, als würde sich bald einer von unseren Leuten verabschieden, wenn du verstehst, was ich meine, aber es ist schon wahrscheinlich, dass du in neun Monaten einen Sterbefall erleben wirst.“ Das dachte Jan auch. Es wäre eine Premiere, er hatte noch nie einen toten Menschen gesehen, geschweige denn, einen Sterbeprozess erlebt. Frau Geppert kam ihm in den Sinn und er stellte sich vor, wie sie in ihren Kissen lag, die Augen schloss und einfach aufhörte zu atmen. Er stand an ihrem Bett, doch er hielt nicht ihre Hand und plötzlich dachte er wieder daran, dass er die alten Menschen würde anfassen müssen, ihre Pergamenthaut waschen und abtrocknen. Jan holte tief Luft, er konnte nicht verhindern, dass ihm ein wenig übel wurde. Claudia war aufgestanden, hatte beide Kaffeebecher genommen und deutete auf die Tür.
„Komm, lass uns mal ins Dienstzimmer gehen und ein Brötchen essen. Gisela hat uns bestimmt welche zurechtgemacht. Dann stelle ich dir die Bewohner vor, doch zuallererst hole ich mal drei Hosenanzüge für dich aus der Wäscherei.“ Sie hielt Jan die Tür auf und er trat auf den Flur. Jemand hatte ein Fenster geöffnet, kalte Luft mischte sich unter die faden Gerüche, Jan schnupperte Lebertransalbe. Sein Magen knurrte, doch er wusste nicht, ob er einen Bissen hinunter bekommen würde.

„Rolfi? Bist du das, Rolfi?“ Quietschende Reifen dicht hinter ihm. Jan drehte sich um und sah einen rotgesichtigen Mann im Rollstuhl, der eifrig an den Rädern drehte und sich auf ihn zu bewegte. Der Mann trug eine Strickjacke über einem blauen Hemd, eine karierte Wolldecke lag über seinen Schenkeln und ging fast bis auf die Fußstützen. Jan sah keine Pantoffeln, keine Schuhe, er sah nur die leeren Fußstützen. Ein weißer Haarkranz umgab den Kopf des Mannes, wirr und abstehend, wie bei einem alten Künstler, dachte Jan, doch der Blick war trüb und irrte suchend umher.
„Rolfi? Bleib stehen, Rolfi! Warum bist du nicht eher gekommen? Holst du mich ab? Siehst du, ich bin ganz mobil. Mobil bleiben, das ist das Wichtigste, das sagst du doch immer.“
Jan wich zurück, Claudia war verschwunden und der Rollstuhl hatte ihn fast erreicht. Der Alte wurde offensichtlich ärgerlich. Er war so nah, dass Jan den Speichelfaden an seiner Unterlippen sahen konnte.
„Es wird aber auch Zeit, dass du endlich kommst, du Mistkerl!“ Er schlug mit der flachen Hand auf die Armlehne, Jan zuckte zusammen. Weg hier, dachte er, bloß weg hier. Die Angst kam zurück, doch schlimmer als die Angst war der Ekel, der Widerwillen, die Wut, die er plötzlich auf diesen verrückten Alten bekam, der ihn Rolfi nannte und ihn nicht in Ruhe ließ. Verdammt, wo waren denn die anderen Pfleger? Jan hörte Stimmen, Musik, Geklapper, doch niemand war auf dem Flur zu sehen und gleich würde der Rollstuhl ihn an die Wand drücken. Jan sah sich um, das Dienstzimmer war nur knapp zwei Meter rechts, doch Jan konnte sich nicht mehr umdrehen, ohne über die Räder zu stolpern.
„Ich bin nicht Rolfi!“, schrie er und presste sich gegen die Wand, dann sah er, wie die Wolldecke vom Schoß des Alten rutschte und den Blick auf zwei nicht vorhandene Beine freigab. Die Oberschenkel schlossen mit der Sitzfläche ab, die Hose war untergeschlagen und der keifende Mann wirkte auf einmal zusammengestaucht und puppenähnlich. Die Decke war vor die Räder gerutscht und als der Rollstuhl zu kippen drohte, warf Jan sich nach vorn und drückte ihn fest auf den Boden. Dabei traf eine Speichelfontäne sein Gesicht. In höchster Not schrie der alte Mann und schlug wild um sich, traf Jans Wange und krallte sich in seinem Pullover fest.
„Was machst du denn Rolfi, du Mistkerl? Willst mich wohl umbringen, was? Aber vorher bring ich dich um, da kannst du Gift drauf nehmen!“ Jan riss sich los, wischte mit dem Ärmel immer wieder über sein Gesicht und hatte die Frau, die auf einmal neben ihm stand, nicht kommen sehen. Sie hob die Decke auf, legte sie über die Beinstümpfe und redete leise auf den alten Mann ein, der sich rasch beruhigte und zu wimmern begann. Die Frau musste Gisela sein. Sie war klein und zierlich, ihr rötliches Haar stand stoppelig vom Kopf ab und ihre stimme hatte einen unverkennbar spöttischen Unterton.
„Du bist der neue Zivi, schätze ich mal. Na dann, herzlichen Glückwunsch! Da hast du dich ja gleich an deinem ersten Tag heldenhaft gegen einen lebensgefährlichen Angriff von Herrn Schubert verteidigt.“ Sie trat hinter den Rollstuhl, drehte ihn um und schob Herrn Schubert zurück in sein Zimmer. In Jans Kopf rauschte der Ozean, Tränen schossen ihm in die Augen, er konnte nichts dagegen tun.

Das Dienstzimmer war mit Einbauschränken möbliert, an deren Türen gedruckte Schildchen klebten. Auf einer langen Theke darunter stand ein Tablett mit Medikamentenschachteln, rechts daneben ein Tisch mit vier Stühlen. Claudia hielt Jan den Teller mit den Brötchen hin.
„Hier, iss jetzt mal was“. Jan schüttelte den Kopf. Er fror in dem weißen Anzug, der Stoff war kühl und alles hing viel zu weit an ihm herunter, auf seinen nackten Armen bildete sich eine dicke Gänsehaut. Er kam sich verkleidet vor, verkleidet wie für eine Rolle im Schultheater. So ähnlich hatte Birthe ausgesehen, in ihrer Rolle als Irrenärztin, als sie in der vorletzten Klasse ‚Die Physiker’ aufgeführt hatten. Er dachte an die Proben, an seine übersteigerte Darstellung des vermeintlichen Newton, an ihren Spaß an der Verrücktheit, der Doppelbödigkeit, doch jetzt, hier, das war die verrückte Wirklichkeit, die ihn bedrohte. Und doch schämte er sich. Er schämte sich, als ihn Giselas Blick von der Seite streifte, er sah die spöttisch verzogenen Mundwinkel, als sie das Medikamententablett aufnahm und schweigend aus dem Raum ging, er schämte sich, weil er das Mitleid in Claudias Gesicht erkannte, als sie resigniert den Teller zurückstellte und er wäre am liebsten im Erdboden versunken, als er durch die Glasscheibe sah, wie Gisela auf dem Flur mit Ulli lachte, der aussah wie ein Bodybilder und ein Grinsen in Richtung Dienstzimmer schickte.
„Die meinen das nicht böse“, sagte Claudia lahm, „ich rede noch mal mit ihnen. Du hast sozusagen deine Feuertaufe bestanden, sieh es doch mal so.“ Jan sah es nicht so. Er gehörte nicht hier hin, seine Entscheidung war falsch gewesen. Er konnte das Verrückte nur auf der Bühne ertragen. Er musste sich eine neue Zivi-Stelle suchen, im Kindergarten, in einer Kultureinrichtung, irgendwo, ganz egal, bloß weg von hier!
Claudia tippte auf seinen Unterarm.
„Jetzt komm, wir machen eine Runde durch die Zimmer, dann kommt schon bald das Mittagessen und danach reden wir über deinen Dienstplan. Ich denke, du machst ab morgen erst einmal Spätdienst mit Silke, da ist es ruhiger und du kannst dich besser einarbeiten.“
Jan schwieg und folgte ihr auf den Flur. Claudia öffnete die erste Tür und bedeutete Jan, einzutreten. Zwei alte Frauen saßen schweigend am Tisch, aus einem Transistorradio kam Schlagermusik. Jan registrierte, dass Claudias Tonfall sich veränderte, professionell munter wurde. Sie schob Jan ins Zimmer, die Frauen regierten kaum, eine sah kurz auf, nestelte dann aber wieder an der Tischdecke.
„So, hier haben wir einen neuen Mitarbeiter, den Jan.“ Claudia schrie fast. „Jan, das sind Frau Wilhelm und Frau Greding.“ Jan rührte sich nicht vom Fleck, er nickte und grüßte, sonst nichts. Die Frauen legten offensichtlich auch keinen Wert auf mehr.
Im nächsten Zimmer windelte Ulli einen alten Mann und Jan konnte nicht umhin, einen Blick auf das schrumpelige Geschlecht zu werfen. Es roch eindringlich nach Urin, der Mann redete ununterbrochen unverständliches Zeug, während sein Mitbewohner am Tisch saß und mit großen Malstiften auf einem Blatt Papier herum kritzelte. Wieder nannte Claudia die Namen, die Jan sich nicht merken wollte, wieder klang ihre Stimme eine Spur zu munter, wieder grinste Ulli ihn an. Im dritten Zimmer saß Herr Schubert im Rollstuhl am Fenster und sah hinaus. Jan betrachtete den breiten Rücken, den Haarkranz und hoffte, dass Herr Schubert sich nicht umdrehen würde. Claudia trat an den Rollstuhl und beugte sich hinunter.
„Herr Schubert, ich möchte Ihnen unseren neuen Zivi vorstellen.“ Sie drehte den Rollstuhl herum und Jan stellte erleichtert fest, dass der alte Mann völlig friedlich aussah. Sein Gesicht wirkte fast freundlich, er war weniger teilnahmslos als die anderen Bewohner, Herr Schubert schien ihn nicht wiederzuerkennen.
„Ja, schön, guten Tag“, sagte er und streckte Jan beide Hände entgegen. „Bleiben Sie mobil, Junge, das ist wichtig, mobil bleiben ist alles im Leben.“ Jan trat überrascht einen Schritt zurück und tat nichts. Herr Schubert sah Claudia irritiert an und ließ seine Hände in den Schoß sinken. Sein Blick irrte nun über die Wolldecke, er atmete schwer. Claudia ging neben dem Rollstuhl in die Hocke und legte Herrn Schubert einen Arm um die Schultern.
„Jan ist noch ganz neu hier, heute ist sein erster Tag. Er muss sich erst einleben, dann gibt er Ihnen sicher auch die Hand.“ Ein vernichtender Blick traf Jan.
Auf dem Flur machte Claudia ihrem Ärger Luft.
„Hör zu! Du kannst ja von mir aus irritiert sein, auch verstört oder ängstlich, das verstehe ich alles ganz gut. Was ich aber nicht verstehe, ist, wie du einen alten Menschen, der krank und verwirrt ist, so kränken kannst! Du gibst ihm nicht einmal die Hand, das ist doch verachtend!“ Jan stand stocksteif da, wortlos, Leere im Kopf. Er fühlte gar nichts, keinen Ärger, keine Angst, er wollte nur nichts mehr mit dieser Annawelt zu tun haben. Er wollte an Birtes Brüste denken, an den Duft ihrer Haut und an ihr Lachen, er wollte sie ausziehen und an sich pressen, ihr das Versprechen abnehmen, dass es nie so werden wird, so wie hier. Er wurde von zwei zupackenden Händen geschüttelt.
„Mein Gott, Jan! Bist du überhaupt noch da?“ Claudia hielt seine Arme umklammert, sah ihm gerade in die Augen, dann ließ sie ihn los.
„Komm noch mal mit ins Dienstzimmer.“ Er ging mit und setzte sich an den Tisch. Sein Magen knurrte, der Brötchenteller stand noch da. Jan nahm sich ein Käsebrötchen, es schmeckte pappig. Claudia goss Mineralwasser in zwei Plastikbecher. Sie setzte sich zu ihm.
„Jan, ich erzähle dir jetzt mal was zu Herrn Schubert, okay?“ Er nickte, kaute, es war ihm gleichgültig. Morgen würde er nicht mehr hier sein.
„Herr Schubert war mal Bauleiter. Durch einen schweren Unfall hat er beide Unterschenkel verloren, sie wurden von Stahlträgern eingeklemmt und konnten nicht gerettet werden. Seine Frau ist vor vier Jahren gestorben, seitdem lebt er hier. Sie hat ihn versorgt, beide sind bis zum Schluss in Urlaub gefahren, er hat gerne am Leben teilgenommen, er war ein mobiler Mensch.“ Claudia machte eine Pause und lächelte. „Rolf ist sein einziger Sohn und der hat sich seit über einem Jahr nicht mehr blicken lassen. Herr Schubert wird dement, er spürt, dass sich etwas verändert, es macht ihm angst, deshalb reagiert er manchmal aggressiv, verstehst du?“ Claudia fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und seufzte.
„Unsere Bewohner haben alle mal ein richtiges Leben gehabt. Sie haben Familien, sie hatten Jobs, sie haben ihren Beitrag zur Gesellschaft geleistet und deshalb verdienen Sie unseren Respekt.“ Ihre Stimme klang eindringlich. „Ich werde nicht zulassen, dass man ihnen den verweigert, Jan. Du hast dich erschreckt vorhin, das verstehe ich, und hier ist jeder tagtäglich mit den letzten Lebensphasen unserer Bewohner konfrontiert. Es hilft, wenn wir uns immer ins Gedächtnis rufen, dass davor ein ganzes Leben liegt.“
Jan kaute, trank und starrte aus dem Fenster. Sie hört sich an wie ein Pastor, dachte er und fühlte sich betäubt. Die kahlen Bäume stießen fast an die tiefhängende graue Wolkendecke. Gisela kam herein. Sie blickte von Claudia zu Jan, lehnte sich an die Theke und sagte, dass Herr Schubert nachgefragt habe, wie der neue Junge heiße. Herr Schubert nannte alle Männer gerne ‚Jungs’. Sie ging wieder hinaus, Jan zählte die Bänke im Garten. Claudia saß schweigend neben ihm, sie folgte seinem Blick. Jan hatte das Brötchen aufgegessen und den Becher leergetrunken. Neun Bänke standen dort unten.
Nach einiger Zeit klopfte Claudia mit den Fingerknöcheln auf den Tisch und stand auf.
„Lass dir ein paar Tage Zeit, Jan. Wenn du jetzt gehen willst, ist das in Ordnung. Komm dann morgen um eins.“ Sie sah ihn abwartend an, Jan blickte aus dem Fenster und nickte.

Vor dem Eingang stand Meike und rauchte zitternd eine Zigarette. Sie trat von einem Fuß auf den anderen und lachte, als Jan durch die Tür kam.
„Was ist los? Schon Feierabend?“ Jan zuckte die Schultern und ging an ihr vorbei.
„Bis morgen, du Held der Windeln und Schlabberlätzchen“, rief sie ihm nach, doch der Wind zerfetzte schon die letzten Worte.